Dinge im Museum.
Redereihe
Ein Ding ist mehr als ein Ding.
Wir sind umgeben von Dingen. Ob im Alltag oder bei ganz besonderen Gelegenheiten: Wir nutzen sie, wir
setzen sie ein, wir brauchen sie. Manchmal verwünschen und manchmal
lieben wir sie. So oder so – wir leben mit den Dingen.
Die Redereihe des Landesmuseums Zürich geht der Bedeutung der Dinge
für die Menschen nach. Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und
Wissenschaft holen Objekte aus dem Depot des Sammlungszentrums des Schweizerischen Nationalmuseums, rücken sie ins Licht, enthüllen ihre Geschichte, fragen nach ihrem Wert. Sie bringen die Dinge zum Sprechen.
Medienpartner: Tagblatt der Stadt Zürich
Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
8001 Zürich
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Ding #9: Der Plakatentwurf

Skizze von Reinhart Morscher, 1972
Das bittere Etwas. Werbung für das Schweizer Schweppes
Sonntag, 9. Oktober 2011, 11 Uhr. Landesmuseum Zürich
Nach Kriegsende ist Jack Gauer, der renommierte Berner Hotelier, in London bei
einem Gin Tonic auf den bitteren Geschmack von Schweppes gekommen. Begeistert von seiner Entdeckung, begann er das Tonic Water kistchenweise zu importieren.
Mit der steigenden Beliebtheit hat sich der befreundete Besitzer der Mineralquelle Weissenburg mit Erfolg um eine Produktion in der Schweiz bemü̈ht. Beide wussten damals nicht, dass Jacob Schweppe, ein 1780 ausgewanderter Silberschmied aus Hessen, in Genf die erste mit Kohlensäure angereicherte Limonade erfunden hat und diese wenig später auch in London zu fabrizieren begann.
1972 hat das Atelier Hablützel & Jaquet die Betreuung der Werbung für Schweppes übernommen. Vorab musste das Team die Devisen der Weltmarke wie « Schweppes is a product of distiguished class for discerning people » verinnerlichen. Und « unique to the trademark, adult und stylish » sollte die Werbung sein. Diesen hohen Ansprüchen ist Reinhart Morscher mit einer Skizze des Markenbildes gerecht geworden. Seine Entwürfe enthalten bereits das bittere Etwas, das auch die nachfolgenden Kampagnen des Ateliers auszeichnen sollte.
Die Swiss Graphic Design Foundation bearbeitet das Lebenswerk von Reinhart Morscher und wird seine bedeutendsten Arbeiten in die grafische Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums übergeben – eine wunderbare Leistung der noch jungen Partnerschaft.
Christian Jaquet, Präsident der Swiss Graphic Design Foundation, hat Wirtschaftswissenschaften und Soziologie studiert und über die Preisbildung neuzeitlicher Kunst doktoriert. Auf der Suche nach einer kreativen Tätigkeit lernte er die Entfaltungsmöglichkeiten der Werbung kennen und gründete 1967 mit Alfred Hablützel ein Atelier. Nach siebenjähriger Partnerschaft führte er die Werbeagentur 25 Jahre lang allein weiter. Zu seinem Hauptwerk gehören die Kampagnen für Schweppes (1972-1989) und Bally (1992-1996). Von 1999 bis 2003 war er Studienleiter für Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Bern. Werkauswahl: «Corporate Identity für Verwaltungen und Gemeinden» (Bern 2005).
Moderation: Felix Graf, Kurator Schweizerisches Nationalmuseum
Ding #10: Die Reisependüle

Reisependüle für Napoleon Bonaparte. Von Abraham-Louis Breguet. Paris, 1796
Abraham-Louis Breguet.
La naissance d’un réseau international
Sonntag, 20. November 2011, 11 Uhr.
Landesmuseum Zürich In Französisch
A l’occasion de l’exposition au Musée national Suisse, il est intéressant d’étudier
la façon dont Breguet a réussi à se faire connaître de son vivant dans de nombreux pays. Son implantation progressive dans les grandes capitales étrangères est un exemple très instructif. Breguet, présent notamment à Londres, Madrid, Saint-Pétersbourg, Istanbul etc., a du affronter des difficultés politiques qui ont eu des répercussions économiques sur son entreprise. On découvre le sens de l’organisation d’un homme qui est surtout connu pour son oeuvre technique et artistique mais qui avait aussi un grand sens relationnel. On découvre en étudiant son oeuvre une sorte de réseau international qui préfigure l’internationalisation du luxe que nous connaissons aujourd’hui.
Referat und Rundgang mit Emmanuel Breguet finden im Rahmen der Ausstellung
« Abraham - Louis Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt » statt, welche vom 6. Oktober 2011 bis am 8. Januar 2012 im Landesmuseum Zürich gezeigt wird.
Emmanuel Breguet hat sich als Historiker auf die Geschichte der Technik des 18. und 19. Jahrhunderts spezialisiert. Es ist Leiter Archive & Sammlungen bei Montres Breguet SA in Paris und Kurator der Ausstellung «A.-L. Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt», die zuerst im Schweizerischen Nationalmuseum, Château de Prangins, gezeigt wurde und ab dem 6. Oktober 2011 im Landesmuseum Zürich zu sehen ist. Zudem ist er Hauptautor der gleichnamigen Ausstellungskataloge und hat auch schon die Ausstellung «A.-L. Breguet. Un apogée de l’horlogerie européenne», 2009 im Musée du Louvre, kuratiert.
Moderation: Dr. Christine Keller, Kuratorin Schweizerisches Nationalmuseum
Ding #11: Das Armreliquiar
Sakrales im profanen Raum.
Religiöse Objekte im Museum
Sonntag, 4. Dezember 2011, 11 Uhr. Landesmuseum Zürich
Kultobjekte verschiedenster Kulturen aus der Ur- und Frühzeit, mittelalterliche Reliquiare, Altargemälde und Skulpturen, heilige Schriften: Religiöse Artefakte werden von Museen gesammelt, aufbewahrt und ausgestellt und gehören seit deren Anfängen zu den wichtigsten Sammlungsbeständen. Ihnen liegen erste Wunderkammern, Kuriositätenkabinette und Kunstsammlungen zu Grunde, die als Keimzellen mancher Museen bezeichnet werden können. Viele dieser Dinge, auch aus unserer eigenen Kultur, kennen wir nicht mehr, ihre Bedeutung und Geschichte sind uns fremd geworden. Ermöglicht gerade die museale Präsentation der Dinge einen neuen Blick auf diese Gegenstände und eröffnet sie einen phänomenologischen Zugang? Wie stark wirkt die Aura sakraler Objekte im Rahmen von Ausstellungen in profanen Räumen noch über ihren ursprünglichen Kontext hinaus? Werden diese Dinge dadurch entheiligt oder erhalten sie gerade durch die neue Aufmerksamkeit etwas von ihrer ursprünglichen Wichtigkeit zurück? Welche Rolle spielt dabei die Vermittlung ihrer Bedeutung und Herkunft, ihres Gebrauchs und nicht zuletzt ihrer «Biografie»? Eine Diskussion um Kult, Kunst und Kunstwert im Blick auf eine besondere Objektgruppe.
Das Podium findet im Rahmen der Ausstellung « Schöne Seiten. Jüdische Schrift-
kultur aus der Braginsky Collection » statt, welche vom 25. November 2011 bis am 11. März 2012 im Landesmuseum Zürich gezeigt wird.
Mit Dr. Emile Schrijver, Kurator der Ausstellung « Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection» und der Bibliotheca Rosenthaliana, Bijzondere Collecties, Universiteit van Amsterdam; Dr. Hanspeter Lanz, Kurator Schweizerisches Nationalmuseum; Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, freie Kuratorin, Wien; Dr. Stefan Laube, Privatdozent, Humboldt-Universität zu Berlin.
Moderation: Prof. Dr. Walter Leimgruber, Ordinarius und Leiter des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Universität Basel
Ding #12: Novum Testamentum

Novum Testamentum. Erasmus von Rotterdam. Druck J. Froeben. Basel, 1519
Jüdisch-christlicher Buchdruck.
Eine interkulturelle Zusammenarbeit
Sonntag, 22. Januar 2012, 11–16 Uhr. Landesmuseum Zürich Redereihe spezial
Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert schuf neue Möglichkeiten zur
Produktion und Verbreitung von Wissen, wie auch zur Vermittlung von kulturellen und religiösen Traditionen. Das von Erasmus von Rotterdam edierte Neue Testament ist einer der schönsten Basler Drucke überhaupt. Luther verwendete diese Ausgabe von 1519 für seine Übersetzung. Auf der letzten Seite stehen die zehn Gebote auf Hebräisch. Vielerorts waren Juden auf christliche Druckereien und Verleger angewiesen, da ihnen das Drucken von Büchern nicht erlaubt war. Die italienische Inquisition forderte 1553 zu Verbrennungen von Talmud-Ausgaben in jüdischem Besitz auf. Auf der einen Seite wurden im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts jüdische Bücher in Italien von der Inquisition zensuriert. Auf der anderen Seite profitierten christliche Humanisten und Gelehrte vom Expertenwissen jüdischer Hebraisten: Sie benötigten hebräische Bibelausgaben, Grammatik- und Wörterbücher, die eigens für ihre Studien verfasst und gedruckt wurden. An der Veranstaltung werden diese intellektuellen, (kunst-)handwerklichen, kulturellen und spannungsreichen Kooperationen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.
Das Kolloquium findet im Rahmen der Ausstellung «Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection» statt, welche vom 25. November 2011 bis am 11. März 2012 im Landesmuseum Zürich gezeigt wird.
Mit Referaten von Dr. Urs Leu, Leiter der Abteilung Alte Drucke und Rara der Zentralbibliothek Zürich; Dr. Emile Schrijver, Kurator der Ausstellung und der Bibliotheca Rosenthaliana, Bijzondere Collecties, Universiteit van Amsterdam; Prof. Dr. Falk Wiesemann, Professor i.R. für Neuere und Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Prof. Dr. Irene Zwiep, Professorin für Hebräische und Jüdische Studien, Universiteit van Amsterdam.
Moderation: Dr. Brigitta Rotach, Koordinatorin Sigi Feigel-Gastprofessur Universität Zürich
Ding #13: Der Tellenbecher

Tafelaufsatz von Alexander Trippel, Olten, um 1781
Religiöse Toleranz.
Zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft vor 250 Jahren
Sonntag, 26. Februar 2011, 11 Uhr. Landesmuseum Zürich
Die kommende Ausgabe der Redereihe erinnert an die Gründung der Helvetischen Gesellschaft vor 250 Jahren. Der letzte Krieg zwischen den Konfessionen lag gerade 50 Jahre zurück, als die erste gesamtschweizerische Aufklärungsgesellschaft 1762 anfing, sich innerhalb der Eidgenossenschaft für religiöse Toleranz einzusetzen. Das Engagement der Helvetischen Gesellschaft zur Überwindung konfessioneller Konflikte nimmt das Nationalmuseum zum Anlass für ein Gespräch über religiöse Toleranz damals und heute.
Nach einem Kurzvortrag zur Helvetischen Gesellschaft vom Kurator und Aufklärungsspezialisten Dr. François De Capitani diskutieren der Zuger Politiker und Historiker Dr. Josef Lang mit der Religionswissenschaftlerin Prof. Daria Pezzoli-Olgiati. Das Gespräch wird von der Kuratorin Dr. Erika Hebeisen moderiert. Wie und warum stellte sich in der jüngeren Vergangenheit Toleranz ein zwischen den Konfessionen? Bis wohin reicht die Toleranz heute zwischen den Religionsgemeinschaften in der Schweiz? Welches Verhältnis von Staat und Kirchen fördert die religiöse Toleranz?
Daria Pezzoli-Olgiati ist Professorin an der Universität Zürich, wo sie das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik leitet. Sie befasst sich als Theologin und Religionswissenschaftlerin sowohl mit der Präsenz des Religiösen in aktuellen Medien, als auch mit Jenseitsvorstellungen in der Vergangenheit. Josef Lang beschäftigt sich als Politiker und Historiker immer wieder mit dem Verhältnis von Religion und Politik. Im Speziellen hat er zum Kulturkampf, zu Katholizismus und Antisemitismus in der Schweiz publiziert.
Mit François de Capitani, Josef Lang und Daria Pezzoli-Olgiati.
Moderation: Dr. Erika Hebeisen, Kuratorin Schweizerisches Nationalmuseum

